Der Begriff Erleuchtung taucht in vielen spirituellen Traditionen auf – oft geheimnisvoll, manchmal überhöht, häufig missverstanden. Doch was bedeutet er eigentlich, und weshalb wird er so selbstverständlich mit Meditation verknüpft?
Der Begriff
Während der Begriff Erleuchtung (von althochdeutsch arlihutan) in der Antike (griechisch eklampsis – hervorleuchten) und im europäischen Raum bis zur Neuzeit als eine spirituell-mystische Erfahrung bezeichnet wurde, wird im Buddhismus eher von Erwachen (Sanskrit „bodhi“ – aufwachen, erkennen) gesprochen. Im Buddhismus bezeichnet es eine Befreiung von den Ursachen der Leidenszustände als einen Zustand des inneren Friedens und im Daoismus das innere Leuchten wahrzunehmen, wenn der Geist in die Stille gelangt. Im Christentum wiederum wird dazu von einem passiven Akt göttlicher Gnade im Sinne einer Erlösung gesprochen.
Weshalb wird Meditation oft mit dem Thema Erleuchtung in Verbindung gebracht?
Beim Meditieren begegnet man sich pur und deutlich selbst. Man lernt, sich selbst zuzuhören und sich und die aktuelle Gegenwartssituation vorbehaltslos zu betrachten. Während man im Alltag oft die Wirklichkeit entweder bewundert, bewertet, kategorisiert, unterscheidet, beschimpft, verändert oder genauso haben will, wie man es sich vorstellt, ist die Meditation ein geduldiges Abwarten und Akzeptieren dessen, was ist.
Die Wirklichkeit ohne Überlagerungen
Meditation bietet einen Rahmen, in dem man nichts verändern muss. Ein Raum ohne Anforderungen, ohne Verbesserungsideen, ohne Druck – absichtslos und achtsam.
„Meditation ist die Einladung, nicht zu handeln, sondern zu sein.“
In der Meditation ist die Wirklichkeit nicht von eindrucksvollen, spektakulären Erfahrungen oder auch Problemen aus der Vergangenheit überlagert, die das eigentliche Leben verpassen lassen. Die meditierende Person kann sich mit allen Sinnen auf das wirkliche, momenthafte Leben an sich einlassen. Meditation ersetzt alle Glaubensvorstellungen durch die Wirklichkeit selbst. Manche Menschen berichten, dass sie im meditativen Bewusstsein etwas Inneres pur berühren, das sie als eine Art Quelle erfahren – hell und leuchtend.
Das Einfachste vom Einfachen
Diese Quelle könnte man als reines, pures Wahrnehmungsvermögen ohne jegliche Trübungen der willentlichen Vorgänge bezeichnen. Man nimmt das Universum und die lebendige Natur der Wirklichkeit wahr, genauso wie sie ist. Beispielsweise beißt man in einen Apfel und kann die Frucht, den Geschmack, den Duft sinnlich vollkommen wahrnehmen, ohne Benennungen, Vergleiche, Bewertungen oder Ablenkungen. Eine still erhabene Erfahrung, die spirituell-mystisch, erlösend oder befreiend erlebt werden kann.
So könnte man sagen, dass Erleuchtung das Einfachste vom Einfachen, das Gewöhnlichste vom Gewöhnlichen ist und zugleich eine der schwierigsten Übungen des Menschseins.


