Meditation beginnt oft dort, wo die Gleichzeitigkeit nicht mehr selektiert werden muss. Wo Gedanken, Eindrücke und Empfindungen nebeneinander bestehen dürfen, ohne bewertet oder kontrolliert zu werden.
Aus dieser Haltung entsteht manchmal der Wunsch, kurz stehen zu bleiben –
nicht um etwas zu verändern, sondern um diesem Moment Raum zu geben.
Nicht, um etwas Bestimmtes zu erreichen, sondern um wahrzunehmen, was gerade da ist. Vielleicht ist das bereits eine kleine Form von Selbsterkenntnis.
Genau hier beginnt diese Einladung:
Eine Minute innehalten.
Ohne Aufgabe.
Ohne Ziel.
Ohne Zweck.
Vor einigen Wochen haben wir auf Instagram und YouTube die
„Halte dich selbst aus“-Challenge gestartet. Eine Einladung, gemeinsam für sechzig Sekunden die alltäglichen Handlungen zu unterbrechen und einfach da zu sein.
Das Meditas-Team zeigt sich eine Minute lang ohne Schnitt, ohne Erklärung, ohne Dramaturgie. Gerade im Social-Media-Format wird diese Einfachheit plötzlich spürbar:
eine Minute ohne Reiz, ohne Geschichte, ohne „Inhalt“.
Zu Beginn ist diese Minute vielleicht tatsächlich lang-weilig.
Und doch geschieht etwas.
Man bleibt.
Bei sich.
Im eigenen Moment.
Eine Minute.
Kein Scrollen.
Kein Reden.
Kein Reagieren.
Kein Optimieren.
Still Tee trinken.
In die Landschaft oder den Himmel schauen.
Die Augen schließen.
Durchatmen.
Anwesend sein.
Eine Minute wirkt unscheinbar. Und manchmal erstaunlich lang. Denn wenn nichts ablenkt, wenn keine Aufgabe wartet, wenn kein nächster Schritt gefordert ist,
dann bleibt man mit dem eigenen Erleben:
Gedanken, Körperempfindungen, Gefühle, Unruhe, Stille.Oder einfach nichts Besonderes.
Eine Teilnehmerin des Silvester-Retreats hat es so ausgedrückt:
Wenn man sich selbst oder eine Situation aushält, entsteht ein Zwischenraum.
Was hat das mit Meditation zu tun?
Säkulare, absichtslose Meditation bedeutet, anwesend zu sein, ohne etwas erreichen zu wollen. Nicht um ruhiger, erfolgreicher oder „besser“ zu werden. Nicht um etwas zu optimieren oder zu lösen.
Sondern um dem eigenen Erleben zu begegnen, so wie es sich im Moment zeigt.
Meditation in diesem Sinn ist keine Methode zur Selbstverbesserung,
sondern eine Form von Präsenz und Selbstverantwortung.
Die Schriftstellerin und Journalistin Rebecca Solnit hat diese Haltung wwie folgt beschrieben:
“Leave the door open for the unknown, the door into the dark.”
— Rebecca Solnit, Hope in the Dark
„Dark“ steht hier für das Offene, noch Unbenannte. Für jenen Raum, in dem nichts festgeschrieben ist und nicht alles entschieden werden muss. Vielleicht ist genau dieser Raum gemeint, wenn man von „Aushalten“ spricht — ein Raum, in dem man nicht sofort antwortet, nicht gleich handelt, sondern bei dem bleibt, was sich gerade zeigt. Im Zwischenraum.


