Der lebendige sprunghafte Tanz des Geistes

Der lebendige sprunghafte Tanz des Geistes

In Ausübung der Meditation sind es überwiegend die kognitiv, geistigen Wesensanteile, die unberechenbar erlebte Ablenkungen von einem angestrebten Zustand bedingen. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit selbstbestimmten Möglichkeiten zur Ausrichtung des Bewusstseins in der Meditation zwischen Konzentration (Beständigkeit) und Wandel (Unbeständigkeit).

Ein Umstand, der dem auf Erkenntnis ausgerichteten, Verstand in der Meditation Stabilität verleiht, ist die wissentliche Art und Weise der Durchführung einer Meditation (das Wie?) sowie die Absicht mit welcher meditiert wird (Thema, Ziel?). Diese Bahnungen wirken klärend und konstant auf den interessierten Geist. Einer möglichen thematischen Zielrichtung sollen die folgenden Zeilen gewidmet sein.

Es ist die Natur eines lebendigen menschlichen Wesens, beständig das Bewusstsein zur Aktualisierung der Umgebungsqualität und Evaluierung von Vergangenheit und Zukunft zu nützen. Ein fließender oft fliegender Wechsel zwischen Dimensionen wie Informationsaufnahme, Inspiration, unbewusster Verarbeitung, Konzentration sowie Denkprozessen. Die Wahrnehmung dieser Dynamiken tritt gerade in gelassenen Momenten, wie bei Haltestopps im Alltag und Meditationen, noch deutlicher zum Vorschein. Während der Körper an einem Punkt im Alltag Halt macht, tanzt ein anderer Teil des Wesens munter umher. Erst eine selbstbestimmte Erlaubnis des beobachtenden Ich-Bewusstseins, den Tanz des Geistes am Spielplatz jener Dimensionen zu erlauben aber nicht in Verbindung damit zu sein, bringt Achtsamkeit für den gegenwärtigen Punkt an dem man gerade angekommen ist.

Die beschriebene Spannkraft wird einerseits verursacht durch ein menschliches Bedürfnis nach Beständigkeit und Schaffen zum Beispiel von Beziehungen, Leben, Sicherheit, Beruf. Verstand und Konzentration zielen auf die Konstanz des Geschaffenen, wie auch darauf, Gefahren für die Fortdauer frühzeitig zu erkennen oder auch Neues zu erwirken. Hieraus entsteht vermutlich auch der Wunsch, wie im Außen so in der Meditation, das unberechenbare Innere zu zähmen, woraus vermeintliche Stärke abgeleitet würde (absolute innere Stille).

Dem Gegenüber steht die bereits erwähnte Erfahrung einer allgegenwärtigen Unbeständigkeit des Daseins. In der meditativen Haltung angelehnt an die Aussage Buddhas „Alles was entstanden ist, wird wieder vergehen“, wird das Werden und Vergehen innerlich thematisiert – jener, meist verdrängte, Wandel von Moment zu Moment etwa von Gegenständen, Menschen, Gedanken, der Zeit in einem unbeständigen Prozess.

In dieser Bewusstseinshaltung wird das Behältnis der meditativen Achtsamkeit (siehe Artikel: Das Wesen der Achtsamkeit) zum Becken für das Kommen und Gehen, dem Wandel des eigenen Wesens, des Alterns wie eben auch des lebendigen Tanzes vom Geist und seiner Suche nach Beständigkeit. So tanzt der Geist im Achtsamkeitsraum munter dahin und unterstützt dabei paradoxerweise die Gelassenheit. Im Gegensatz zur Beständigkeit suchenden Alltagskonzentration bleibt bei der Achtsamkeit das Bewusstsein offen und sammelt sich am gegenwärtigen Punkt im Selbst (Selbstbewusstsein), wirkt also nicht zerstreuend. Auch in der bekannten konzentrativen Meditation, welche mantrahaft ein Objekt in den Fokus der Wahrnehmung stellt, dient diese Grundhaltung der inneren Gelassenheit gegenüber allem Unbeständigen.

In dieser möglichen Ausrichtung meditativer Achtsamkeit wird überdies die Persönlichkeitsentwicklung unterstützt, indem die Selbstwahrnehmung in Akzeptanz zur eigenen wechselhaften Natur gebracht werden kann.

 

Sand

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